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Schritt für Schritt den Traum erfüllen

Fr. 24.11.2023, 08:00

Nachdem Mario einige Jahre in der eigenen Küche und im Badezimmer in seiner Wohnung im glarnerischen Netstal tüftele, produziert er inzwischen sein Kreativbier in seiner eigenen Mikrobrauerei Braucheib in Schwanden. Sein Antrieb ist die Leidenschaft für Genuss und Qualität mit einem Schuss Bodenständigkeit.


Mario, wie bist du zum Bierbrauen gekommen?
Seit ich 16 Jahre bin, trinke ich gerne Bier. Es hört sich einfach an, aber das ist der Grund, warum ich auf das Bierbrauen gekommen bin. In Schwanden habe ich die passenden Räumlichkeiten gefunden. Ich braue kreatives Bier und habe mittlerweile 18 verschiedene Sorten. Kreatives Bier bedeutet: Moderne Hopfensorten, mal ein Bier mit Laktose oder Schokolade – also nicht nur kreativ, sondern auch umfangreich. Ich mag Pale Ale und IPA (India Pale Ale), braue aber auch Lager.

Wie hast du Brauen gelernt?
Wie bei den meisten Kleinbrauereien bin ich kein gelernter Brauer. Ich habe es mir selbst beigebracht. Zum ersten Mal kam ich in Amerika in Kontakt mit sogenanntem Craft Beer. Dann fand ich im Internet Rezepte. Es hörte sich im ersten Moment recht kompliziert an, also verwarf ich den Gedanken wieder. Später kam ich in Kalifornien wieder in den Genuss von Pale Ale und IPA und kam wieder voll auf den Geschmack. Ende Oktober 2017 fing ich, inspiriert nach einem Roadtrip durch Kanada, mit Brauen an. Ich las Bücher und braute in der Küche und im Badezimmer.

Dachtest du damals schon an ein eigenes Geschäft?
Es war mein Traum, ja. Aber ich wusste noch nicht, wo es mich hinzieht. Ich hatte im Hobby-Bereich Abnehmer. Das stimmte mich zuversichtlich. Meine Ziele sind vermutlich die gleichen wie bei allen, die mit einer eigenen Geschäftsidee anfangen: Dass ich davon leben und wachsen kann. Gleichzeitig bin ich kaufmännischer Angestellter, ich arbeite auch heute noch 80 Prozent in der Verwaltung und bin jeden Freitag in meiner Brauerei, manchmal auch abends und am Wochenende. Ich verwirkliche meinen Traum bewusst schrittweise, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Denn es gibt immer wieder Krisen – genauso wie Lichtblicke.

Wer kauft dein Bier?
Für den 0815-Lagerbiertrinker ist es nichts, für Probierfreudige dafür umso mehr.
Die meisten meiner Kunden, die in Schwanden vorbeikommen, nehmen in der Regel kleine Mengen mit. Für Feiern liefere ich aber auch grössere Mengen an Dosen, auf Wunsch auch im Fass. 2024 will ich meinen eigenen Online-Shop lancieren. Mittelfristig suche ich mehr Grossabnehmer, damit ich monatlich die Hälfte des gebrauten Biers verkaufe. Online sind meine Produkte schweizweit in Shops verfügbar.

Womit hebt sich dein Bier von der Konkurrenz ab?
Besonders an meinem Bier ist der Kontrast zwischen urchiger Marke und modernen Biersorten. Mit Dialekt-Biernamen möchte ich die Menschen abholen. Bei mir sagen die Kunden: «Den ‘Lappi’ mag ich.» Ich konzentriere mich also nebst kreativen Sorten auf eine stilvolle Aufmachung und einen authentischen Namen. Zu meiner Zielgruppe gehören also Frauen und Männer jeden Alters, die beim Biertrinken Neues ausprobieren und dabei gerne überrascht werden. Diese erreiche ich am besten über passende und ausgewählte Schweizer Shops, die auf eine gewisse Exklusivität setzen.

Wie läuft es mit der Werbung?
Für eine Kleinbrauerei ist zum Beispiel Merchandising wichtig. Bei mir gehören Gläser, Caps, Mützen, eine Kühltasche und ein Rollbrett dazu. In unserem Crowdfunding-Video haben wir eine Skate-Sequenz integriert. Als Skater ist die Skater-Szene natürlich eine Zielgruppe für mich. Was gibt es Schöneres als ein gutes, kühles Bier nach einer erfolgreichen Session mit Freunden? Zu Beginn gab es einen Artikel in der Lokalzeitung, das hat kurzfristig geholfen. Meine Hauptwerbeplattform ist Instagram und läuft recht gut. Videos mache ich mit Kollegen. Werbung kombiniere ich aber auch direkt im Vertrieb. Wie gesagt: Besonders wichtig ist, dass ich in passenden Shops oder Orten vertreten bin, aber nicht in zu vielen, um Exklusivität zu bieten. Diesen Sommer war ich zum Beispiel mit einem «Monatsbier» in einem beliebten Sommerrestaurant vertreten.



 

Wie finanzierst du deine Kleinbrauerei?
Das Crowdfunding ergab 50'000 Franken und deckte knapp den Innenausbau ab – also Boden, Wände, Elektroinstallationen und Wasserleitungen. Das Sudhaus und die sechs Gärtanks, also die Anlage, bezahlte ich selbst zum Teil mit Unterstützung der Familie.
Die laufenden Kosten kann ich gut mit den Einnahmen decken. Ich habe mir aber noch nie einen Lohn ausbezahlt.

Wie ist der Gründungsprozess abgelaufen – warum hat du dich für eine GmbH entschieden?
Der Gründungsprozess über das Institut für Jungunternehmen (IFJ) verlief sehr einfach und anonym. Zum Glück bin ich von der Kontaktstelle für Wirtschaft des Kantons Glarus auf dieses kostenlose Angebot aufmerksam gemacht worden. Da ich sonst schon sehr viel mit der Planung der Brauerei um die Ohren hatte, war ich extrem froh um diese Hilfe. Ehrlich gesagt, habe ich einfach den Tipp eines befreundeten Buchhalters befolgt und wegen der Haftungsbeschränkung eine GmbH gegründet.

Welche Tipps hast du für angehende Gründerinnen oder Gründer?
Wenn es um die Gründung einer Kleinbrauerei geht, empfehle ich ein schrittweises Vorgehen – also beim Wechsel vom Hobby-Bereich zur Professionalisierung den Schritt zwar bewusst, aber nicht zu gross zu machen und die Produktionsmengen sowie die dazugehörigen Anlagen sorgfältig zu wählen. Wenn es allgemein um den Traum der eigenen Firma geht, braucht es nebst der Finanzierung Mut, Selbstvertrauen und einen langen Atem – es geht um die richtige Kombination aus Leidenschaft und Sorgfalt.

Mehr über die Glarner Mikrobrauerei auf www.braucheib.ch

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