Hinter den Kulissen: InnoCare Project GmbH
Do. 05.03.2026, 07:00
Von der Pflegeexpertin zur Unternehmerin: Natascha Nielen hat mit InnoCare Project den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, um Pflegeheime praxisnah bei der Weiterentwicklung ihrer Pflegequalität zu unterstützen. Im Interview erzählt sie, wie aus einer Idee ein wachsendes Unternehmen wurde, welche Herausforderungen sie auf dem Weg gemeistert hat und warum Geduld, klare Positionierung und Mut zentrale Erfolgsfaktoren für Gründer/innen sind.

Bevor wir über dein Unternehmen sprechen; wer bist du? Stell dich und deine Firma doch bitte kurz vor.
Ich bin Natascha Nielen, Pflegeexpertin APN und Gründerin von
InnoCare Project. Nach mehreren Jahren in der Akut- und Langzeitpflege sowie in fachlichen Rollen im Bereich Praxisentwicklung und Pflegequalität habe ich mich im März 2023 zunächst teilweise mit einem Einzelunternehmen selbstständig gemacht. Aufgrund der steigenden Nachfrage folgte im Januar 2026 der Schritt in die vollständige Selbstständigkeit und die Umwandlung des Unternehmens in eine GmbH.
Ich unterstütze Pflegeheime bei der Weiterentwicklung von Pflegequalität, unter anderem durch die (temporäre) Übernahme der Rolle als Pflegeexpertin APN, die Durchführung von Praxisentwicklungs- und Qualitätsverbesserungsprojekten sowie durch praxisnahe Schulungen, Beratungen und Coachings.
Ein zentrales Anliegen ist mir, Praxisentwicklung für alle Pflegeheimen zugänglich zu machen. Und das ressourcenschonend, alltagsnah und so gestaltet, dass sie Fachpersonen nachhaltig stärkt und im Pflegealltag wirksam wird.
Wann und wie entstand der Gedanke bzw. die Idee ein eigenes Unternehmen zu gründen? Was hat dich dazu verleitet?
Der Gedanke, ein eigenes Unternehmen zu gründen, entstand vor einigen Jahren im Rahmen eines CAS zu Shared Leadership - Shared Governance. Dort begegnete ich einer sehr inspirierenden Dozentin, die mir in einem Gespräch sagte, sie könne sich mich gut als freiberufliche Pflegeexpertin vorstellen. Dieser Gedanke überraschte mich damals sehr und erschien mir zunächst eher unrealistisch.
Mit der Zeit begann sich diese Idee jedoch zu festigen. Der ausschlaggebende Moment kam, als ich unabhängig voneinander zwei konkrete Anfragen aus der Praxis erhielt. Um diese Aufträge überhaupt abrechnen zu können, gründete ich schliesslich das Einzelunternehmen InnoCare Project Nielen – ein Schritt, der rückblickend den Grundstein für meine heutige Selbstständigkeit legte.
Was waren deine schwierigsten Entscheidungen, die du in der Anfangsphase treffen musstest?
Eine der schwierigsten Entscheidungen in der Anfangsphase war die klare Positionierung: Wofür stehe ich, welche Art von Projekten nehme ich an und welche bewusst nicht? Diese Abgrenzung war wichtig, aber nicht immer einfach.
Da ich bis Ende 2025 weiterhin angestellt war, stellte sich zudem die Frage nach dem richtigen Mass an Sichtbarkeit: Wie viel Marketing ist sinnvoll, ohne zu viele oder zu wenige Aufträge zu generieren? Gleichzeitig ging es darum, eine Marketingstrategie zu finden, die sowohl zu meinen Kundinnen und Kunden als auch zu mir persönlich passt.
Und natürlich der Schritt aus der sicheren Anstellung in die vollständige Selbstständigkeit war emotional sehr anspruchsvoll.
Wie konntest du deinen ersten Kunden bzw. Auftrag für dich gewinnen?
Ich habe bereits schon in meiner früheren Zeit als Pflegeexpertin immer mal wieder in Fachjournals Fachartikel publiziert. Meine erste Kundin ist aufgrund eines solchen Artikels auf mich aufmerksam geworden und hat sich bei mir gemeldet.
Welche Herausforderungen siehst du in der nächsten Zeit auf dich zukommen und wie bereitest du dich darauf vor?
In der nächsten Zeit sehe ich vor allem die Herausforderung, Wachstum und Qualität in Einklang zu halten. Mit steigender Nachfrage gilt es sicherzustellen, dass die fachliche Tiefe, die Nähe zur Praxis und meine persönliche Handschrift erhalten bleiben.
Damit verbunden ist die Frage, wie sich InnoCare Project strukturell weiterentwickeln soll. Ich prüfe bewusst, ob und zu welchem Zeitpunkt eine Anstellung oder projektbezogene Zusammenarbeit sinnvoll ist und welche Aufgaben ich weiterhin selbst wahrnehmen möchte.
Eine weitere zentrale Herausforderung ist die klare Priorisierung, insbesondere im Umgang mit meiner Zeit. Nicht jedes Projekt passt in jede Phase, und mir ist wichtig, meine Arbeit so zu gestalten, dass sie langfristig tragfähig bleibt. Dazu gehört auch, bewusst Grenzen zu setzen, ausreichend Zeit für mich und meine Familie einzuplanen und Erholungsphasen zu respektieren.
Darauf bereite ich mich vor, indem ich meine Angebote weiter schärfe, Prozesse schrittweise professionalisiere und mir gezielt ein Netzwerk aus Fachpersonen und Sparringspartnerinnen aufbaue. So kann ich flexibel bleiben und gleichzeitig nachhaltig wachsen.
Was sind deine Tipps für angehende Gründer/innen?
Was ich angehenden Gründerinnen und Gründern mitgeben würde: Es hilft sehr, das eigene Angebot klar zu definieren und den Nutzen für die Kundinnen und Kunden deutlich zu machen. Nur so entstehen passende Aufträge. Gleichzeitig ist es wichtig, bewusst Grenzen zu setzen, Pausen einzuplanen und auch mal offline zu sein, damit man langfristig handlungsfähig bleibt.
Mut zum Starten ist ebenfalls entscheidend: Lass dich nicht von kritischen Stimmen verunsichern. Gerade als Frau mit Kindern lohnt es sich, an die eigene Idee zu glauben und den Schritt zu wagen.
Sehr empfehlen kann ich zudem das kostenlose
Webinar-Angebot des IFJ. Es bietet wertvolles Wissen, Orientierung und praktische Tipps für den Start.
Und nicht zuletzt: Offen zu bleiben für Austausch und Unterstützung – sei es durch Netzwerke, Sparringspartnerinnen oder erfahrene Unternehmer/innen – erleichtert den Weg enorm.
Welches Learning hast du als Unternehmer/in gemacht, dass du gerne zuvor schon gewusst hättest?
Ein Learning, dass ich gerne schon vorher gewusst hätte, betrifft die Zeit, die Kundengewinnung tatsächlich braucht. Nach meinem ersten Mandat als Einzelunternehmen passierte lange Zeit nicht viel, und ich war immer wieder kurz davor, aufzugeben. Ich ging davon aus, dass Pflegeheime ein so gutes Angebot nicht ausschlagen würden und dass die Aufträge mich überrennen würden – das war jedoch nicht der Fall.
Ich habe gelernt, dass Vertrauen Zeit braucht: Ein Grossteil der Kundengewinnung erfolgt über Empfehlungen und persönliche Kontakte und es dauert, bis die eigene Expertise sichtbar wird und Beziehungen aufgebaut sind. Geduld und Durchhaltevermögen sind daher genauso wichtig wie ein klar definiertes Angebot.
Was motiviert dich persönlich an deiner Arbeit?
Mich motiviert vor allem, dass meine Arbeit direkten Einfluss auf die Pflegepraxis hat. Ich kann Organisationen und Fachpersonen dabei unterstützen, Pflegequalität wirklich zu verbessern, Wissen praxisnah zu vermitteln und Prozesse so zu gestalten, dass sie den Alltag erleichtern. Das hat wiederum einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Bewohnenden.
Besonders erfüllend ist für mich, wenn ich sehe, dass Veränderungen wirken. Wenn Mitarbeitende entlastet werden, Fachwissen angewendet wird und sich Abläufe nachhaltig verbessern.
Darüber hinaus motiviert mich die Freiheit in meiner eigenen Firma: Ich kann alles selbst gestalten, Entscheidungen treffen und Wege ausprobieren, die genau zu mir und meiner Vision passen.
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